Land der unverhofften Belohnungen

Hier noch eine ältere Geschichte von meiner Ankunft in den USA, die mir heute wieder einfiel:

In den USA sind Schecks ja ein ganz normales Zahlungsmittel. So normal, dass ich vor einigen Monaten erst einmal lernen musste, wie man einen Scheck ausstellt. Und seit heute weiß ich auch, wie man einen einlöst… 🙂

Ebenfalls normal ist es, dass man sein Gehalt am Monatsende in Form eines Paychecks bekommt, den man dann bei der Bank einlösen muss. Als ich hier ein US-Konto eröffnete, las ich darüber etwas in den Werbebroschüren meiner Bank, sinngemäß etwa:

Das neue „Workplace Direct Deposit Program“: Versuchen Sie, bei Ihrem Arbeitgeber zu beantragen, dass Ihnen Ihr Gehalt per elektronischem Transfer (Direct Deposit) überwiesen wird. Dann bekommen Sie das Geld ganz bequem automatisch und müssen nicht mehr monatlich mit dem Scheck zur Bank laufen. Wir haben hier schon ein entsprechendes Formular vorbereitet, dass Sie nur noch beim Arbeitgeber vorlegen müssen…

Wow, moderne Zeiten! Das betraf mich aber nicht, weil ich eh in den USA kein Gehalt beziehe. Ich eröffnete also ein Konto und übertrug einen größeren Geldbetrag elektronisch vom deutschen aufs US-Konto. Ein paar Tage später sah ich im Bankauszug nicht nur, dass das Geld angekommen war, sondern auch die folgende Gutschrift von der Bank:

Workplace Direct Deposit Bonus: +$75.00

Sehr gern. Wenn es euch denn glücklich macht. 😀

Autofahrer, kommst du nach…

Fährt man mit dem Auto ins Zentrum von Princeton, könnte es sein, dass man an einer Straße wie der folgenden hier vorbeikommt. Worauf ist zu achten?

Auf den Sportplatz rechts? Die Schule links? Nein, es ist das erste Schild rechts auf dem Gehweg. Es markiert die Grenze zwischen dem „Princeton Township“ und dem Stadtzentrum „Princeton Borough“. Princeton ist nämlich administrativ in diese beiden Teile aufgeteilt, die z.B. auch jeweils einen eigenen Bürgermeister haben.

Das muss den Autofahrer jetzt aber nicht interessieren. Spannender ist schon, dass das Schild auf eine klitzekleine Parkregelung aufmerksam macht:

Man darf im Borough grundsätzlich auf allen Straßen zwischen 2 und 6 Uhr nachts nicht parken (außer mit Anwohnerparkausweis). Eventuell ist diese Maßnahme dazu da, den Anwohnern ihre Parkmöglichkeiten zu sichern. Meinem Eindruck nach haben die meisten zwar eh ihre eigene Garage, und man könnte den Anwohnern auch immer noch ihre Parkplätze bis 2 Uhr nachts wegparken, aber gut.

Der eigentliche Witz daran ist aber, dass diese spezielle Regelung ausschließlich auf diesen Ortseingangsschildern zu finden ist. Im ganzen Stadtgebiet gibt es verschiedenste Parkregeln, z.B. kostenfrei, oder mit Parkuhren, oder „tagsüber 2 Stunden erlaubt“-Schildern, oder kostenpflichtigen Parkplätzen, aber in dem ganzen Parkschilder-Wirrwarr gilt überall implizit zusätzlich die Regel, dass man da zwischen 2 und 6 Uhr nachts nicht parken darf. Steht nur halt nicht nochmal dran.

Und warum schreibe ich das alles? Weil Marianne und ich feststellen mussten, dass da tatsächlich um 5:30 Uhr morgens Polizisten kontrollieren, und ein simples Parkticket mal eben 40 Dollar kostet. 😦

Reunions

Am vergangenen Wochenende fanden in Princeton die Reunions statt, ein zentrales Ereignis im Jahr, bei dem sich alte Princeton-Alumni wieder sehen. Der Begriff „Klassentreffen“ umschreibt es aber nur sehr ungenau, denn es treffen sich alle Ehemaligen, die Festlichkeiten gehen über drei Tage, und es gibt unzähligen Veranstaltungen, Vorträge, Diskussionsforen und Aufführungen von ehemaligen Orchester-, Theater- oder Arch-singers-Gruppen auf dem Campus. Nicht zu vergessen das große musikalisch untermalte Abschlussfeuerwerk!

Vor allem aber wird in den Hauptquartieren der Jubiläumsjahrgänge (z.B. class of 1985, 1960, 2005, …) jeden Abend gefeiert. Mit viel Live-Musik oder DJs, natürlich den jeweiligen Jahrgängen angepasst. So kann man abends von Zelt zu Zelt ziehen – vorausgesetzt, man hat ein Eintrittsarmband gekauft und trägt es über die gesamten drei Tage. Ja, das hat schon ein bisschen Festival-Atmosphäre…

Ein anderes Highlight ist die P-rade (die heißt so!), in der alle Alumni in einer Prozession über den Campus marschieren, aufsteigend nach Jahrgängen geordnet. Der älteste anwesende Alumnus hat übrigens 1925 graduiert und wurde natürlich am lautesten bejubelt.

Jede Abschlussklasse entwirft für sich auch eine eigene Jacke („beer jacket“), die vermutlich jedes Jahr für die Reunions wieder aus dem Schrank geholt wird. Und nach dem ich drei Tage überall nur diese Jacken gesehen habe, bin ich nun auch davon überzeugt, dass die Universitätsfarben schwarz und orange sehr schick sind. 🙂

Mit Zuschauern hat die Parade etwa 20000 Teilnehmer und dürfte damit die größte Veranstaltung des Jahres in der Stadt sein. Es hat drei Stunden gedauert, bis alle Alumni durchgelaufen sind! Zum Glück gab es zwischendurch immer mal wieder typisches amerikanisches Paradeprogramm: marching bands, Maskottchen, Karnevalsgruppen, semi-lustige Plakate usw. Als letztes läuft immer die aktuelle Abschlussklasse, die damit auch ihre Graduierung feiert. (Die offizielle Commencement-Zeremonie mit den komischen Hüten und den Roben war aber erst heute. Gastredner war Princeton-Alumnus und Amazon-Gründer Jeff Bezos.)

Jetzt wird es wohl auf dem Campus sehr ruhig werden – von Juni bis August ist hier offiziell „Sommer“.

Eating clubs

An der Princeton University gibt es wie an vielen amerikanischen Unis verschiedene Undergraduate Colleges (Wohnheime) auf dem Campus, in denen fast alle Undergraduate-Studenten untergebracht sind und wo es auch Essen und Freizeitangebote gibt. Ab dem dritten Studienjahr müssen aber die juniors (3. Jahr) und die seniors (4. Jahr)  nicht mehr ständig mit den freshmen (1. Jahr) und den sophomores (2. Jahr) abhängen, sondern können versuchen, in einen der zehn sogenannten Eating Clubs zu kommen.

Diese Clubs eine Besonderheit der Princeton University. Sie sind auch weniger bekannt für ihr Essensangebot, als vielmehr für die Partys, die dort veranstaltet werden. Die Eating Clubs sind allesamt in beeindruckenden Mansions untergebracht, die meisten davon in der Prospect Avenue, auf dem Campus und im Daily Princetonian nur „The Street“ genannt. Eigentlich eine ziemlich coole Art, seine Freizeit zu verbringen.

Aber weil es Princeton ist, kommt da natürlich nicht jeder rein. Zunächst mal sind die Eating Clubs wirklich nur für Studenten im dritten oder vierten Jahr; auch Masterstudenten oder Doktoranden kommen da nicht rein. Und auch sonst braucht man Glück: Die Hälfte der Clubs verlost die Mitgliedschaft, bei der anderen Hälfte gibt es sogar Aufnahmerituale, und dann wird in kleinem Kreis entschieden.

Leider verrät auch der mehrseitige Wikipedia-Artikel nicht viel mehr dazu, aber insgesamt scheint es wohl trotzdem eine weniger geschlossene Sache zu sein als Studentenverbindungen, die ich hier wiederum noch gar nicht gesehen habe…

Dinky

Nochmal zum Thema „mit dem Zug anreisen“: so ganz einfach ist das natürlich trotzdem nicht. Die Schnellverkehrsbahnstrecke zwischen New York und Philadelphia hält nur in einem Kaff namens Princeton Junction.

Dort steigt man dann in einen Mini-Zug namens Dinky um, der dann nochmal 4 Minuten genau eine Haltstelle weit fährt und direkt am Rand des altehrwürdigen Campusses hält.

(Jegliche Hogwarts-Express-Assoziationen macht NJTransit übrigens mit dem Blechbüchsen-Design wieder kaputt.)

Wiederkehrendes Motiv

Mein Weg über den Campus führt mich morgens am Lewis Center for the Arts vorbei, wo man sich mit bildender Kunst, Literatur, Tanz, Film und Theater befasst. Leiter der Einrichtung ist Paul Muldoon, Professor für Creative Writing und Pulitzer-Preisträger 2003.

Letzte Woche hat Paul Muldoon der Campus-Zeitschrift The Tiger Magazine ein Interview gegeben. Darin analysiert er anhand eines aktuellen Songtextes, äh, verschiedene lyrische Aspekte zeitgenössischer Poesie.