Chronologie einer Telefonstörung

Vorweg: es ist alles gut ausgegangen. Dieses kleine Protokoll soll nur illustrieren, wie Telefongesellschaften, auch in Zeiten eines rückläufigen Festnetzmarktes, ganz die alten geblieben sind.

Freitag, 02.12.2012

Störung an unserem Vodafone-Festnetzanschluss: es sind keine abgehenden Telefonate mehr möglich. Nachdem man ein paar Ziffern gewählt hat, kommt die Ansage „Gesprächsteilnehmer vorrübergehend nicht erreichbar“. Man kann aber immer noch angerufen werden. Auch das Internet funktioniert problemlos, wie immer.

Montag, 05.12.2012

ca. 8:30 Uhr. Die Störung fängt an zu nerven, weil wir mehrere Telefonate führen müssen. Mit Handy bei der kostenlosen Vodafone-Störungshotline angerufen. 13 Minuten Warteschleife. Mitarbeiter geht ran und entschuldigt sich höflich für die ungewöhnlich lange Wartezeit. Er nimmt das Problem auf, und testet/scannt den Anschluss von fern mehrere Minuten lang. Findet keinen Fehler im Vodafone-Telefonnetz, stellt aber eine „Fremdspannung“ am Anschluss fest. Schlussfolgert, Fehler müsse in der Wohnung oder auf der „letzten Meile“ liegen, also im Haus bzw. dem Stück, das von der Deutschen Telekom betrieben wird. Vodafone vereinbart Termin mit Telekom-Techniker für Donnerstag, 08.12.2012. Techniker werde irgendwann zwischen 8 und 12 Uhr kommen. „Wenn’s unsere eigenen Techniker wären, könnten wir es genau sagen, aber so…“.

12:03 Uhr. SMS von Vodafone: „Wir haben die Ursache ihrer Störung erkannt und arbeiten an der Entstörung“. Keine weiteren Details.

Donnerstag, 08.12.2012

8:00 Uhr. Ich bin bereit für das Eintreffen des Technikers.

ca. 10:00 Uhr. Der Telefonanschluss bricht komplett zusammen.

12:00 Uhr. Der Techniker ist nicht erschienen.

12:45 Uhr. Vodafone-Störungshotline angerufen. 11 Minuten Warteschleife. Mitarbeiter geht ran und entschuldigt sich höflich für die ungewöhnlich lange Wartezeit. Sie wüssten noch nicht, warum der Telekom-Techniker nicht kam („wir müssen da erst den Bericht abwarten“). Neuen Termin vereinbart, am Samstag, 10.12.2012, 8-12 Uhr.

13:14 Uhr. Ich verlasse die Wohnung.

14:12 Uhr. Der Telekom-Techniker klebt einen Zettel an die Tür: „Ich konnte Sie leider nicht antreffen“.

ca. 19:30 Uhr. Die Telefonleitung ist wieder da, ausgehende Telefonate sind weiterhin nicht möglich.

Freitag, 09.12.2012

19:31 Uhr. Ein Telekom-Techniker ruft an und sagt, dass er intern im Netz etwas repariert hätte, ob ich den Anschluss nochmal prüfen könne. Ich entgegne, dass ich unterwegs bin und erst spät abends nach Hause komme. Er sagt, er kommt dann am nächsten Tag um 08:00 Uhr und ruft auch vorher an.

Samstag, 10.12.2012

07:30 Uhr. Ich stehe schlaftrunken auf und mache mich bereit.

08:11 Uhr. Techniker ruft an und sagt, dass er um 10:00 Uhr kommt.

10:13 Uhr. Techniker kommt und muss erstmal bei uns aufs Klo. Das Nichterscheinen seines Kollegen kann er nicht erklären, und möchte es auch nicht kommentieren, geschweige denn entschuldigen. Er überprüft die Dose in der Wohnung und kann einen Defekt an den Geräten in der Wohnung ausschließen. Er findet auch keinen Defekt im Haus. Die Störungsbeschreibung deutet seiner Meinung nach sowieso auf einen Defekt im Vodafone-Netz hin („Portstörung“), man hätte ihn gar nicht rufen müssen. Auf die „Fremdspannung“ angesprochen entgegnet er, dass so etwas die komplette Leitung stören würde, nicht nur selektiv die abgehenden Telefonate. Er fährt wieder ab, und verspricht, seinen Bericht an Vodafone zu faxen.

14:55 Uhr. Festnetzanruf von Vodafone auf dem Anrufbeantworter. „Ihre Störung müsste nun behoben sein. Falls nicht, rufen Sie bitte die Hotline an“. Störung ist nicht behoben: abgehende Anrufe nach wie vor nicht möglich.

15:32 Uhr. Rufe die Vodafone-Störungshotline an. 10 Minuten Warteschleife. Mitarbeiter geht ran und entschuldigt sich höflich für die ungewöhnlich lange Wartezeit. Er sagt, der Bericht vom Techniker ist noch nicht da, und auch sonst liegt keine Änderung des Sachverhalts vor, die eine Markierung des Tickets als „behoben“ gerechtfertigt hätte. Man müsse abwarten, bis der Bericht intern ausgewertet ist.

17:23 Uhr. Störungshotline ruft mich auf dem Handy an. Mitarbeiter fragt, ob ich abgehendes Telefonat nochmal testen könne. Plötzlich funktioniert alles. Mitarbeiter kann oder will mir die genaue Ursache des Problems nicht erklären. Obwohl die Störung offensichtlich von Vodafone selbst behoben werden konnte, nennt der Mitarbeiter es eine „schwache Leistung“, dass der Telekom-Techniker trotz „Fremdspannung“ unverrichteter Dinge gegangen ist.

Malusprogramm

Vor einigen Jahren beschlossen Marianne und ich, am Bonusprogramm M-Card der Stadtwerke München teilzunehmen. Mit der M-Card kann man bei bestimmten Münchner Händlern („M-Card-Partnern“) beim Einkauf Punkte sammeln. Dafür bekommt man dann irgendwann einen Wertgutschein, den man dann bei den gleichen Händlern wieder einlösen kann.

Normalerweise nehme ich nie an solchen Einzelhandels-Rabattprogrammen teil, aber schließlich machte ich doch mit, weil man mit der M-Card auch etwas günstiger in bestimmte Museen, Schwimmbäder und andere Einrichtungen in München kam (Sofortrabatt auf den Eintrittspreis). Ich nahm mir aber vor, die Karte stets immer nur übertrieben theatralisch zu zücken und dabei sarkastisch „Hier ist meine M-Card!!“ zu rufen.

Die Jahre vergingen. Im Laufe der Zeit stellte ich erstaunt fest, dass die beteiligten M-Card-Partnerhändler alles dafür tun, um nicht als solche erkannt zu werden. Es ist uns schätzungsweise bei mindestens der Hälfte aller Einkäufe bei diesen Händlern passiert, dass wir vergessen haben, die Karte vorzuzeigen, einfach weil wir den kleinen dezenten M-Card-Hinweis in der Ecke des Verkaufstresens übersehen haben.

Im Prinzip begrüße ich es ja, wenn ich nicht ständig nach irgendeiner Rabattkarte gefragt werde. Schließlich kann ich mir die beteiligten Partnerunternehmen auch einfach mal merken. Leider war das sinnlos, weil sich die M-Card-Partner gefühlt alle 6 Monate unbemerkt änderten: neue kamen hinzu (bei denen wir dann wieder ahnungslos einkauften), andere Partner stiegen aus (was ein- oder zweimal zu peinlichen Situationen führte, als ich mit viel Pathos die Karte hervorholte und nur Kopfschütteln erntete).

Ich trat das Punktesammeln also mental in die Tonne, und konzentrierte mich auf die Sofortrabatte, wegen derer ich ja eigentlich mitgemacht habe. Es stellte sich heraus, dass die halbwegs sinnvollen Rabatte (z.B. Eintritt ins Deutsche Museum) abgeschafft wurden, während neue Rabatte dazukamen, die mir nichts brachten.

In letzter Konsequenz trug ich also den Inbegriff einer absolut nutzlosen Rabattkarte mit mir herum. Anfangs fand ich das noch ganz schick, aber irgendwann wurde mir auch das zu albern. Ich denke, auch bei Marianne geriet dieses Rabattprogramm irgendwann halb in Vergessenheit.

Vor einem Jahr wollte ich dann aber wenigstens mal wissen, wieviel Punkte wir denn bis dato gesammelt hatten. Laut Werbung bekommt man nämlich jedes Jahr im November bei genügend vielen Punkten oben genannten Wertgutschein zugeschickt. Ich hatte das Gefühl, dass da schon einige Punkte zusammengekommen waren, ohne dass wir je einen Gutschein bekommen haben.

Ich schaute also online nach. Dort wurde ich beim Einloggen nach irgendeiner PIN gefragt, die ich nicht hatte und von der ich noch nie etwas gehört hatte. Ich ließ mir also eine neue PIN zuschicken. Nach zwei Wochen bekam nicht ich, sondern Marianne einen Brief, in dem ausführlich und in sehr förmlichen Beamtendeutsch erklärt wurde, dass nur sie als Hauptkarteninhaberin eine PIN beantragen darf, nicht jedoch ich als Partnerkarteninhaber. Die Sache war unfreiwillig komisch, weil der Sprachduktus des Briefs der Banalität der Sache überhaupt nicht angemessen war. Marianne konnte mich nur mit Mühe davon abhalten, den Brief auf dem Klo aufzuhängen.

Vor einem Monat jedoch hatte auch sie ihre Einstellung geändert. Da haben wir nämlich tatsächlich von der M-Card endlich einen „Wertgutschein“ für unsere Punkte erhalten:

M-Card-Wertgutschein

Und damit hätte die Geschichte einen würdigen Abschluss finden können. Aus irgendwelchen Gründen erhielten wir aber nur eine Woche später plötzlich doch noch einen Wertgutschein im Wert von 10 Euro, so dass ich jetzt noch nicht mal eine passende Pointe für diesen Artikel habe. Naja.

Bäckerei-Überflutung

Am Platz in der Nähe unserer Wohnung gibt es einen Punkt, den man ohne Übertreibung auch als Backwaren-Epizentrum bezeichnen könnte. Von dort aus hat man nämlich überraschend viele Möglichkeiten, um frische Brötchen zu kaufen:

  • 10 Meter von diesem Punkt entfernt gibt es eine Bäckerei.
  • In die andere Richtung sind es ebenfalls nur 10 Meter bis zu einem kleinen (konkurrierenden) Backstand.
  • Im Umkreis von 40 Metern um diesen Punkt gibt es zusätzlich eine Öko-Bäckerei und eine Frisch-Back-Abteilung im Supermarkt.
  • Und im Umkreis von 80 Metern um diesen Punkt gibt es zusätzlich ein Bäckerei-Stehcafé, einen To-Go-Backshop und eine Bio-Metzgerei mit Bio-Backwaren-Angebot.

Nun befindet sich dieser spezielle Punkt mitten in einer Ladenfläche, die jetzt einige Monate leer stand.

Letzte Woche hat dort eine Billig-Bäckerei eröffnet.

(siehe auch)

Streikbetrachtungen

Der heutige Streik im Nahverkehr beherrscht die Schlagzeilen der deutschen Medienlandschaft. Dabei müssen Pendler in München schon seit Wochen verschiedene Streiks über sich ergehen lassen. Im Prinzip sind das die üblichen Tarifverhandlungs-Scharmützel, aber ich stehe trotzdem daneben wie ein Beobachter einer fremden, bizarren Welt.

Alles fing damit an, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Ende September beschloss, die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu bestreiken. Während des Oktoberfests. Ohne Vorankündigung. Eines morgens legten viele U-Bahn-, Bus- und Tram-Fahrer einfach die Arbeit nieder.

Die MVG war natürlich empört, und auch der Unmut der Fahrgäste richtete sich zunächst hauptsächlich gegen die Gewerkschaft. Nach ein paar Tagen setzte die GDL den Streik aus, drohte aber damit, jederzeit wieder spontan weiterzustreiken. Für diesen Fall stellte die MVG einen reduzierten Notfallfahrplan vor, der auch ausschließlich mit Nicht-GDL-Lokführern funktioniert.

Und stellte dann auch gleich mal prophylaktisch auf diesen Notfallfahrplan um. Zwar wurde dieser Fahrplan in der streikfreien Zeit mit Verstärkerzügen komplettiert, aber im Endeffekt war das trotzdem deutlich weniger als der Normalfahrplan. In den letzten Wochen habe ich mich ziemlich häufig über überfüllte U-Bahnen, ausfallende Trams, schlechte Takte und ähnliches ärgern müssen; der Nachtverkehr wurde anfangs sogar komplett eingestellt. Und das alles erstaunlicherweise, während die GDL gar nicht streikte!

Gefühlt gleich geblieben ist aber die Frequenz der Fahrscheinkontrollen. Und inmitten des ganzen Tumultes kündigte der Münchener Verkehrsverbund dann auch noch die diesjährige Fahrpreiserhöhung an – natürlich begründet mit den zu erwartenden steigenden Personalkosten. (Innerhalb der letzten fünf Jahre sind die Preise von der Einzelfahrt bis zum Jahresabo übrigens durchgehend um rund 20 Prozent gestiegen.) Eine Einigung der Gewerkschaft wurde aber natürlich bis jetzt nicht erreicht.

Heute haben die Gewerkschaften Transnet und GDBA bekanntlich zum Streik im Nahverkehr aufgerufen. Bayern ist ein Schwerpunkt; im Münchner Verkehrsverbund betrifft das die S-Bahnen und die Regionalzüge.

Und die GDL? In einem offenen Brief an Transnet und GDBA zeigt sich die Lokführergewerkschaft zwar solidarisch mit dem Streikaufruf, betont aber mit deutlichen Worten, dass sich die Gewerkschaften die Beschäftigtengruppen vertraglich untereinander aufgeteilt haben. Für die Gruppe der DB-Lokführer darf allein die GDL eine tarifvertragliche Regelung beschließen,

so dass schon ein Aufruf zum Arbeitskampf [durch Transnet/GDBA], der die Lokomotivführer einschließt, eine Vertragsverletzung und einen Eingriff in die geltenden Tarifverträge darstellt.

Im gleichen Brief schreibt die GDL, dass sie sich gerade im „Verhandlungsmodus“ mit der Deutschen Bahn befindet. Daher streikt also ausgerechnet die GDL bei der S-Bahn München heute überraschenderweise nicht.

Nun befindet sich die GdL auch mit der MVG gerade im Verhandlungsmodus. Im Gegensatz zu den DB-Kollegen hält sie das aber nicht davon ab, hier spontan mal wieder zu streiken – natürlich ebenfalls heute, um das Verkehrschaos in München zu vervollständigen. Bwaaah…