Product Displacement

Bei großen Filmproduktionen ist Product Placement ja heutzutage eine fast schon übliche Werbeform, um zumindest einen Teil des Films zu finanzieren. (Unangenehmstes Beispiel ist für mich bisher der Film The Island, in dem nicht weniger als 26 Produkte beworben wurden, und dadurch sogar Plotholes entstanden.)

Das genaue Gegenteil passierte bei dem gestern mit 8 Oscars prämierten Film Slumdog Millionaire, wie Regisseur Danny Boyle in einem Interview mit der Times erklärte. In einer Szene, die in einem indischen Slum gedreht wurde, ist der Mercedes eines lokalen Gangsters zu sehen. Mit diesem Bild hatte Mercedes ein Problem – der Autohersteller wollte seinen Stern nicht in diesem Umfeld präsentiert sehen. Ähnliche Einwände erhob ‚ein großer Softdrinkhersteller‘, dessen Marke auf Flaschen zu sehen war, die an Kinder im Slum verteilt wurden. Die Produzenten des Films mussten deshalb nachträglich für mehrere zehntausend Pfund die entsprechendes Logos aus dem Film digital entfernen lassen. Ganz großer Werbeeffekt… 😦

Interessantes Detail aus dem Interview: Mercedes hatte ausdrücklich ein Problem mit dem Slum, nicht mit dem Gangster. In einer anderen Szene, in der das Auto vor dessen Haus parkt, durfte der Stern drinbleiben.

Das Streben nach Glueck

Bereits vorgestern habe ich im Kino „Das Streben nach Glueck“ gesehen. Es geht darin um einen erfolglosen Vertreter (Will Smith), dessen finanzielle Lage zusehends schlechter wird. Als seine Frau ihn verlaesst, besteht er darauf, dass sein Sohn (Will Smith’s Sohn) bei ihm bleibt. Er beginnt ein unbezahltes Praktikum/Ausbildung als Boersenmakler, mit geringen Chancen auf eine anschliessende Festanstellung. Es kommt fast konstant immer schlimmer: Das Finanzamt nimmt sein letztes Geld, bald muss er in ein billiges Motel ziehen und spaeter in Notunterkuenften uebernachten – immer mit seinem Sohn an seiner Seite. Er versucht dennoch (aber nicht immer erfolgreich), alle sich ergebenden Moeglichkeiten zu nutzen. Und natuerlich geht der Film letztlich gut aus.

Ich fand den Film ziemlich bewegend, stellenweise habe ich mit der Hauptfigur richtig mitgelitten. Sehr gut waren z.B. die Szenen in der U-Bahn-Toilette und das 5-Dollar-Leihen fuer ein Taxi. Armut und Obdachlosigkeit wurden ueberraschend deutlich gezeigt, und der lockere Will-Smith-Humor zwischendurch wirkte eher bedrueckend.

Der Film konzentriert sich hauptsaechlich auf Vater und Sohn, und ihr Streben nach Glueck. Zwar werden keine Systeme angeprangert, andererseits schafft es der Film aber groesstenteils, die uebliche Du-kannst-alles-schaffen-wenn-du-nur-an-dich-glaubst-Moral nicht allzu deutlich raushaengen zu lassen. Nur das Ende war dann doch zu happy fuer meinen Geschmack (Epilogtafeln: „Jahre spaeter wurde er Millionaer“). Ironischerweise ist das aber vielleicht genau dem Umstand zu verdanken, dass es sich hier mal wieder um eine „wahre Geschichte“ handelt.

Insgesamt ein guter Film. Und ich hab endlich mal gesehen, wie Homer-Simpson-Sprecher Dan Castellaneta aussieht.

Ausserdem war ich mit dem Royal vermutlich das erste Mal in einem Kino, in dem es im Saal ein Gefaelle von vorn nach hinten gibt, d.h. die vorderen Reihen liegen hoeher als die hinteren. Ermoeglicht wird das durch Kinosessel, in denen man sehr tief versinkt…