Rahnsdorfer Ruderfähre

Heute haben wir einen kleinen Ausflug nach Rahnsdorf im Südosten Berlins gemacht. Rahnsdorf liegt östlich des Müggelsees an der Spree und war ursprünglich ein kleines Fischerdorf. Der Ortskern ist nach wie vor so dörflich geprägt, dass man glatt vergessen kann, sich noch immer im Stadtgebiet von Berlin zu befinden.

Häuser in Rahnsdorf

Kirche in Rahnsdorf Fischernetze in der Kirche in Rahnsdorf

Unten am Wasser gibt es viele idyllische Wassergrundstücke mit kleinen Wochenendhäusern. Zwischendrin liegt ein netter kleiner Biergarten, bei dem insbesondere auch geräucherter Fisch auf den Tisch kommt, und von dem man einen schönen Blick auf die Müggelspree hat.

Blick auf die Müggelspree

Der eigentliche Grund, warum ich unbedingt dort hinwollte, war aber ein anderer: die BVG-Fährlinie F24, die vom Biergarten in der Kruggasse über die Spree zur Haltestelle „Spreewiesen“ auf der Müggelheimer Seite und zurück pendelt. Das besondere dabei ist, dass diese Fähre seit 1911 in unveränderter Form in Betrieb ist – nämlich als Ruderfähre!

Ruderfähre Rahnsdorf

Die Fahrgäste nehmen in dem kleinen Ruderboot „Paule III“ Platz, und der Fährmann rudert sie dann tatsächlich per Muskelkraft über den Fluss – und das im Linienbetrieb.

Fährmann der Ruderfähre Rahnsdorf

Und weil das eine offizielle BVG-Fähre ist, reicht eine normale Monatskarte oder ein anderer Fahrschein (Berlin AB) aus, um mitzufahren. Andernfalls wird der Kurzstreckentarif fällig. Fahrräder nimmt der Mann auf seinem Boot auch mit. „Det muss ick eijentlich nich. Hat aber meen Vorjänger ooch schon jemacht.“

Fahrplan

Offiziell setzt die Fähre einmal pro Stunde über, tatsächlich fährt der Fährmann aber immer dann, wenn genügend viele Leute an der einen oder anderen Seite stehen. Die Fähre fährt (im Sommer) 8-9 Stunden täglich, dienstags bis sonntags, und ich glaube, da rudert wirklich immer der gleiche Mann.

Leider steht diese sehr schöne Tradition unmittelbar vor dem Aus. Die Rahnsdorfer und der Fährmann sammeln fleißig Unterschriften für den Erhalt (wir haben direkt im Boot unterschrieben), doch wenn die Sache nicht bald mehr Öffentlichkeit bekommt, wird die Fähre ab 2014 wohl durch stinknormale Elektroboote ersetzt. Aus der Wikipedia:

Die Fährlinie 24 (Spreewiesen ↔ Rahnsdorf) über die Müggelspree, die kleinste der sechs BVG-Fähren, ist Deutschlands einzige Ruderfähre im Linienbetrieb und wird mit einem Ruderboot (Paule III) betrieben. Das Boot ist drei Meter lang und bietet Platz für acht Personen, auch Fahrräder werden befördert. Etwa 40 Mal am Tag setzt der Fährmann Ronald Kebelmann die 36 Meter über. Es existiert zwar ein Fahrplan, allerdings wird auch zu anderen Zeiten übergesetzt, sobald Personen an der Anlegestelle stehen. Das hat sich seit 1911, als der Rahnsdorfer Fischer Richard Hilliges mit dem Fährbetrieb begann, nicht geändert. […] Der Betrieb von Berlins einziger Ruderfähre [wird] voraussichtlich mit Beginn der Saison 2014 eingestellt. Die Linie soll dann in die bestehende Linie F 23 integriert werden, die dann […] mit Elektrobooten im Auftrag der BVG betrieben wird.

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Stadtlauf-Simulation

Ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass ich mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit immer durchs Brandenburger Tor fahre. Dort geht es morgens immer angenehm ruhig zu, denn der typische Berlin-Tourist ist aus verschiedenen Gründen noch nicht so früh auf den Beinen…

Heute morgen war etwas anders: Schon von weitem sah ich eine Gruppe von etwa 30  Joggern in bunten Trikots gemeinsam nebeneinander durchs Tor rennen. Ich fragte mich noch, ob da schon wieder ein Stadtlauf stattfindet, oder ob das jetzt eine neue Art Sightseeing-Tour ist, als die Läufer plötzlich anhielten, zurück zum Brandenburger Tor gingen, und gleich darauf genau wie zuvor wieder losrannten.

Also ich näher kam, sah ich dann auch den Grund: Dreharbeiten! Die Regieassistenz hielt mich kurz an, damit ich nicht durch die Szene fahre. Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden, so dass ich leider nicht gefragt habe, welcher Film (oder Werbespot?) da gedreht wurde. Ist vielleicht auch nicht so wichtig — ich bin ja sowieso nicht drin. 🙂

Kein Problem

Bei uns unten an der Ecke hat vor einiger Zeit ein kleiner libanesischer Supermarkt eröffnet, in dem es Obst, Gemüse, europäische und arabische Lebensmittel, Softdrinks, Zigaretten sowie keinen Alkohol gibt.

Als Marianne und ich das erste Mal drin waren, fragte uns der Ladenbesitzer gleich mal, ob wir ein Problem damit hätten, wenn der Laden auch mal an Sonntagen oder Feiertagen öffnen würde. „Weil manche deutsche Nachbarn hier sehen das vielleicht nicht so gern, wenn wir immer aufhaben oder so.“ Da wir lange Zeit in Bayern gelebt hatten, versicherten wir umgehend, keinerlei Einwände gegen lange Ladenöffnungszeiten zu haben. (Wir fügten aber hinzu, dass wir nicht für das Ordnungsamt sprechen könnten.)

Und tatsächlich: das „immer“ war nicht übertrieben. Zwar macht der Laden „schon“ um 22 Uhr zu. Dafür hatte er aber auch über Ostern jeden Tag geöffnet. Und über Pfingsten. Und überhaupt bisher an jedem einzelnen Tag…