O2 can’t do either – Teil 4

Als der Telekom-Techniker leibhaft in der Tür steht, bin ich völlig fassungslos. Ich schüttele ihm die Hand, um sicherzugehen, dass er echt ist. Er geht zur Telefonsteckdose und stellt fachmännisch fest, dass die Leitung tot ist. „Keine Synchronisation. Dit könnse an dem blinkenden Lämpchen sehn.“

Durch diese Feststellung des Offensichtlichen erlange ich die Fassung wieder. Ich teile ihm mit, dass ich mit seinem Erscheinen beim besten Willen nicht gerechnet habe. Schließlich war ich bei fünf Terminen zuvor versetzt worden. Er konnte oder wollte nicht sagen, was der Grund war, und ob das überhaupt seine Firma war, und wie man ihn oder seine Leute erreichen kann. Ich hätte mir seine Worte notieren sollen, aus dem Gedächtnis sagte er sinngemäß wirklich so etwas wie: „Ich weiß nicht, wer von meinen Kollegen wann was wo macht. Ich kriege die Aufträge rein, und fahre zu den Kunden hin. Es gibt viele von uns. Sie können uns nicht anrufen oder sonst erreichen – wir kommen zu Ihnen. Nachher bin ich wieder weg. Das nächste Mal kommt jemand anderes. Wir sind quasi unsichtbar.“ Dann paffte der graue Herr wieder an seiner Zigarre legte der Techniker mit der Entstörung los.

Die folgende Prozedur habe ich jetzt insgesamt glaube ich zum vierten Mal in meinem Leben gesehen: Er schließt einen Signalgeber an, und geht mit mir in den Keller, und öffnet den Telefonverteilerkasten, für den man übrigens keinen Schlüssel oder Werkzeug braucht. Dann steckt er zwei Drähte um. Wohin sie umgesteckt werden, kann er am Signal des Signalgebers auf der Leitung erkennen. Ich überlege ernsthaft, ihn dabei zu filmen, um das das nächste Mal einfach selbst zu machen und mir den Ärger zu ersparen. Welche Drähte er nehmen muss, hat er allerdings auf einem handschriftlichen Zettel zu stehen. Aber das könnte ich mit Trial & Error rausfinden. Aus purem Trotz sage ich ihm das alles auch. Er warnt mich davor, es überhaupt auch nur in Erwägung zu ziehen.

Dann geht er nochmal zum Verteilerkasten auf der Straße, und kehrt kurze Zeit später in die Wohnung zurück. Und siehe da – der Anschluss funktionierte wieder! Ich bedanke mich, unterschreibe was, und er verschwindet.

Die Einrichtung der Hardware und der Anschluss der Telefone klappt ganz problemlos. Ich bin überglücklich, und freue mich aufs Wochenende.

Während ich so im Internet surfe, stelle ich fest, dass die Seiten irgendwie langsamer laden als gedacht. Am Abend führe ich dann mal eine Geschwindigkeitsmessung durch. Sowohl die ein paar exemplarische Download-Tests, also auch die FritzBox von 1&1 (die ich immer noch habe), also auch der O2-eigene „DSL-Speedchecker“ kommen alle zum gleichen Ergebnis: 1 MBit/s. Dazu muss ich sagen, dass ich gar nicht wirklich mit den 16 MBit/s gerechnet habe – man hört ja immer wieder Geschichten und Begründungen, warum das nur die theoretisch maximal verfügbar Bandbreite ist usw. Aber ich hatte schon erwartet, dass der Anschluss bei O2 zumindest nicht langsamer ist als der 6 MBit/s-Anschluss bei 1&1. Und genau das war hier der Fall. Da Telefonate per Voice-over-IP realisiert werden, bildete ich mir sogar ein, dass die Telefonqualität unter dieser Bandbreite litt. Doch zunächst überwog trotzdem erstmal die Freude darüber, nach 11 Wochen überhaupt wieder einen Festnetzanschluss zu haben.

In der folgenden Tagen kam ich dann aber doch zu dem Entschluss, dass das so nicht weitergehen konnte. Ich überlegte, wann ich das nächste Mal den Gang nach Canossa zur Hotline antreten sollte. Während ich noch zauderte, wurde mir die Entscheidung abgenommen: Im Laufe des 5. März, nur vier Tage nachdem der Techniker gekommen war, brach die Leitung wieder komplett zusammen.

Fortsetzung folgt…

 

 

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3 Gedanken zu „O2 can’t do either – Teil 4

  1. Haha :). Diese Geschichte ist eine Goldgrube. Du solltest ernsthaft in Erwägung ziehen ein Buch daraus zu machen; eine ’non-fictional novel‘ wie Capotes „In Cold Blood“.

    Ich frage mich noch was auch der 1&1 Kündigung geworden ist. Haben Sie die akzeptiert?

  2. Pingback: O2 can’t do either – Teil 5 | Robert in Berlin

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