Malusprogramm

Vor einigen Jahren beschlossen Marianne und ich, am Bonusprogramm M-Card der Stadtwerke München teilzunehmen. Mit der M-Card kann man bei bestimmten Münchner Händlern („M-Card-Partnern“) beim Einkauf Punkte sammeln. Dafür bekommt man dann irgendwann einen Wertgutschein, den man dann bei den gleichen Händlern wieder einlösen kann.

Normalerweise nehme ich nie an solchen Einzelhandels-Rabattprogrammen teil, aber schließlich machte ich doch mit, weil man mit der M-Card auch etwas günstiger in bestimmte Museen, Schwimmbäder und andere Einrichtungen in München kam (Sofortrabatt auf den Eintrittspreis). Ich nahm mir aber vor, die Karte stets immer nur übertrieben theatralisch zu zücken und dabei sarkastisch „Hier ist meine M-Card!!“ zu rufen.

Die Jahre vergingen. Im Laufe der Zeit stellte ich erstaunt fest, dass die beteiligten M-Card-Partnerhändler alles dafür tun, um nicht als solche erkannt zu werden. Es ist uns schätzungsweise bei mindestens der Hälfte aller Einkäufe bei diesen Händlern passiert, dass wir vergessen haben, die Karte vorzuzeigen, einfach weil wir den kleinen dezenten M-Card-Hinweis in der Ecke des Verkaufstresens übersehen haben.

Im Prinzip begrüße ich es ja, wenn ich nicht ständig nach irgendeiner Rabattkarte gefragt werde. Schließlich kann ich mir die beteiligten Partnerunternehmen auch einfach mal merken. Leider war das sinnlos, weil sich die M-Card-Partner gefühlt alle 6 Monate unbemerkt änderten: neue kamen hinzu (bei denen wir dann wieder ahnungslos einkauften), andere Partner stiegen aus (was ein- oder zweimal zu peinlichen Situationen führte, als ich mit viel Pathos die Karte hervorholte und nur Kopfschütteln erntete).

Ich trat das Punktesammeln also mental in die Tonne, und konzentrierte mich auf die Sofortrabatte, wegen derer ich ja eigentlich mitgemacht habe. Es stellte sich heraus, dass die halbwegs sinnvollen Rabatte (z.B. Eintritt ins Deutsche Museum) abgeschafft wurden, während neue Rabatte dazukamen, die mir nichts brachten.

In letzter Konsequenz trug ich also den Inbegriff einer absolut nutzlosen Rabattkarte mit mir herum. Anfangs fand ich das noch ganz schick, aber irgendwann wurde mir auch das zu albern. Ich denke, auch bei Marianne geriet dieses Rabattprogramm irgendwann halb in Vergessenheit.

Vor einem Jahr wollte ich dann aber wenigstens mal wissen, wieviel Punkte wir denn bis dato gesammelt hatten. Laut Werbung bekommt man nämlich jedes Jahr im November bei genügend vielen Punkten oben genannten Wertgutschein zugeschickt. Ich hatte das Gefühl, dass da schon einige Punkte zusammengekommen waren, ohne dass wir je einen Gutschein bekommen haben.

Ich schaute also online nach. Dort wurde ich beim Einloggen nach irgendeiner PIN gefragt, die ich nicht hatte und von der ich noch nie etwas gehört hatte. Ich ließ mir also eine neue PIN zuschicken. Nach zwei Wochen bekam nicht ich, sondern Marianne einen Brief, in dem ausführlich und in sehr förmlichen Beamtendeutsch erklärt wurde, dass nur sie als Hauptkarteninhaberin eine PIN beantragen darf, nicht jedoch ich als Partnerkarteninhaber. Die Sache war unfreiwillig komisch, weil der Sprachduktus des Briefs der Banalität der Sache überhaupt nicht angemessen war. Marianne konnte mich nur mit Mühe davon abhalten, den Brief auf dem Klo aufzuhängen.

Vor einem Monat jedoch hatte auch sie ihre Einstellung geändert. Da haben wir nämlich tatsächlich von der M-Card endlich einen „Wertgutschein“ für unsere Punkte erhalten:

M-Card-Wertgutschein

Und damit hätte die Geschichte einen würdigen Abschluss finden können. Aus irgendwelchen Gründen erhielten wir aber nur eine Woche später plötzlich doch noch einen Wertgutschein im Wert von 10 Euro, so dass ich jetzt noch nicht mal eine passende Pointe für diesen Artikel habe. Naja.

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Ein Gedanke zu „Malusprogramm

  1. Was ist aus den tollen Fortsetzungsreihen geworden? Die Geschichte hätte man doch prima auf 3 Beiträge ausweiten können…

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