Straßenparty

Am letzten Konferenztag wurde abends ein Abschlussdinner in einem Restaurant in Dakar organisiert. Um die Konferenzteilnehmer dorthin zu bekommen, griff man auf die bewährte Taxi-Armada zurück: etwa 10 Taxis, die immer vor dem Hotel stehen, wurden gebucht. Ein Fahrer gestikulierte mir und drei anderen Leuten zu, und wir stiegen beherzt ein. Das Taxi hatte die erwartete Standardausstattung, also eine zersplitterte Windschutzscheibe, einen defekten Tacho usw. Zwar wussten wir überhaupt nicht, wie das Restaurant hieß oder wo es lag, aber der Fahrer würde es schon wissen.

Dachten wir zumindest. Er fuhr zunächst vor zu einem anderen abfahrbereiten Taxi und rief fragend durchs Fenster rüber (in einer interessanten Mischung aus Wolof und Französisch). Der andere Taxifahrer aber antwortete nicht, sondern raste los. Unser Fahrer fluchte irgendwas, fasste dann aber spontan den Plan, den anderen Taxis einfach hinterherzufahren. In einer Stadt wie Dakar, in der um diese Zeit etwa die Hälfte aller umherfahrenden Fahrzeuge Taxis sind, war das aber eine eher suboptimale Idee. Natürlich verloren wir die anderen Taxis recht bald aus den Augen. Etwas beunruhigend war auch die Tatsache, dass keiner von uns eine Telefonnummer der Organisatoren hatte.

Schließlich fanden wir ein paar der anderen Taxis auf der Schnellstraße wieder. Eines von ihnen wurde dann auch langsamer und hielt an einer Stelle an, so dass unser Fahrer die Sache mit dem Zielort nochmal ausdiskutieren konnte. Schließlich fuhren wir in Ruhe weiter.

Dann ging es in ein Wohngebiet. Leider schaute unser Fahrer irgendwann noch irritierter aus als vorher, hielt dann schließlich an und bat uns, den Organisator anzurufen. Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir keine Nummer und keinen Namen des Restaurants hätten.

Glücklicherweise stellte sich heraus, dass hinter uns nicht weniger als vier andere Taxis an der Straße standen, mit etwa 15 unserer Leute. Unglücklicherweise stellte sich heraus, dass keiner der anwesenden Fahrer eine Ahnung hatte, wo genau das Restaurant zu finden ist.

Aus Erfahrung wussten wir aber, dass man in so einer Situation einfach entspannt bleiben muss. Wir stiegen also aus und schauten uns ein bisschen bei den Läden an der Straße um. Vor einem stand ein etwas verrosteter Metall-Kickertisch. Jemand tauschte sein Geld im Laden gegen ein paar 25-Francs-Münzen (das sind etwa 5 Euro-Cent), so dass wir dann anfingen, ein paar Runden mit der anwesenden Lokalbevölkerung zu spielen. Mein Mitspieler (Sidi, glaube ich) war auch ganz gut, und wir gewannen das Spiel.

Wir hatten schon die Absicht, die ganze Abschlussparty einfach an diese Stelle an der Straße zu verlegen (ich glaube, irgendjemand hatte sich da schon ein Bier gekauft), aber einer aus unserer Gruppe hatte dann zufällig doch die Nummer eines Organisators. Es ging also nach kurzer Zeit weiter, und wie sich herausstellte, war das Restaurant dann einfach auf der Rückseite des Wohnblocks… 😀

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