Trommeln und Tanzen

Jetzt sollte ich doch nochmal was zu Dakar schreiben. Ich war während der vergangenen Tage auf der LPAR-Konferenz, die sich hauptsächlich um Logik und automatisches Beweisen dreht. Die Vorträge waren sehr abwechslungsreich und größtenteils wirklich hochkarätig (obwohl vieles thematisch dann doch nicht so ganz mein Fall war).

Das Besondere an dieser Konferenz sind aber ihre exotischen Austragungsorte. Die Konferenz fand unter anderem schon in Kasachstan, Uruguay, Kambodscha, Jamaika, Katar und an Bord eines Schiffs statt. Jetzt war sie halt in Senegal, und das nächste Mal ist sie in Indonesien. Das Motto der Konferenz lautet nicht umsonst

To boldly go where no reasonable conference has gone before

wobei ich aber finde, die Einschränkung „reasonable“ könnte oft auch einfach weggelassen werden. Das Rahmenprogramm führte uns nämlich in das Heimatdorf des lokalen Organisiators, 140 km östlich von Dakar, quasi in den afrikanischen Busch. Ohne asphaltierte Straße, ohne Elektrizität, aber mit vielen kleinen Hütten.

senegaldorf

Die Bewohner haben uns Informatiker aus aller Welt natürlich neugierig, aber sehr herzlich empfangen. Auf dem Dorfplatz wurde ein großer Kreis gebildet, in dem dann in einer Zeremonie traditionelle Gesänge statt fanden. Später wurde das Programm dann zunehmend von Trommeln und Tanz bestimmt.

senegaldorf2

Bei einigen unserer Leute war die Stimmung anfangs ein bisschen unentspannt. Das könnte damit zu tun gehabt haben, dass der Busfahrer unseren Reisebus genau so auf einer sandigen Fläche geparkt hatte, dass das Hinterrad aus alleiniger Kraft nicht mehr herauskam, sondern immer tiefer einzusinken drohte. Gut, besonders viele andere Fahrzeuge waren in der Gegend jetzt nicht zu sehen. Und dass es schnell dunkler wurde, und dass Dorf nur ein paar Lichtquellen per Generator versorgen konnte, machte die Sache auch nicht viel einfacher.

In Ländern wie Senegal muss man aber lernen, sich im richtigen Moment zu entspannen. Schließlich war ja z.B. Vollmond, es war also nicht ganz dunkel. Außerdem war es angenehm warm draußen, und praktisch völlig moskitofrei. So eine Nacht im Dorf wäre also gar nicht so schlecht gewesen. Da hätte man die Vorträge am nächsten Tag auch gleich auf dem Dorfplatz halten können, mit Formeln im Sand usw. Unabhängig davon kam dann von einem Nachbardorf dann doch jemand mit einem Abschlepptruck, und ein paar Anschiebversuche später war die Rückreise am selben Abend gesichert.

Exklusiv für uns Konferenzteilnehmer wurde dann ein reichhaltiges Büffet und gekühlte Getränke angeliefert, aber mich hätte auch schon mal interessiert, wie dieser Brei schmeckt, den statt dessen die Dorfbewohner aus großen Schüsseln gegessen hatten… Nun ja. Nach so einem langen Abend ruft natürlich auch mal ein gewisses Bedürfnis. Da lauerte eine Überraschung: das Dorf hatte nicht nur fließendes Wasser, sondern auch das sauberste Klo, dass ich in meinem ganzen Senegal-Aufenthalt gesehen habe. Erstaunlich…

Wir haben uns auch gut mit den Bewohnern unterhalten, so gut es mit mittelmäßgen französischen Sprachkenntnissen eben ging. Ich musste feststellen, dass Namen wie Klose und Schweinsteiger doch nicht jedem bekannt sind, und unser japanischer Teilnehmer hat auch eher erfolglos versucht, die Dorfjugend in die Kunst des Sumo-Ringens einzuführen. Dafür konnte man aber die kleinen Kinder mit Blitzlichtfotografien bei extrem guter Laune halten… 🙂

Am Ende bestanden die Bewohner dann natürlich darauf, dass wir uns in ihrer Mitte zu afrikanischen Trommeln in Extase tanzen. Das ist uns auch ganz gut gelungen (wenn man die Informatiker-Definition von Extase nimmt)! Nach 15 Minuten im senegalesischem Sand ist man aber ziemlich fertig…

Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals im Leben noch einmal in den Genuss komme, in einem echten afrikanischen Dorf mit den Einwohnern zu traditionellen Rhythmen tanzen. Deshalb war der Abend wirklich einzigartig.

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