Journalisten-PageRank

Bei Bildblog beichtet ein anonymer Gastschreiber, dass er die Wikipediaseite des neuen Bundeswirtschaftsminister Guttenberg manipuliert hat: er hat dessen 10  Vornamen noch einen erfundenen elften hinzugefügt, nämlich „Wilhelm“.

Dass jetzt haufenweise etablierte Medien, darunter Süddeutsche Zeitung und taz, den kompletten Namen inklusive dem falschen Wilhelm ungeprüft aus der Wikipedia abdrucken, halte ich bei diesem Thema weniger für einen Skandal. Es ist höchstens peinlich, wenn man wie Spiegel Online den Minister selbst seinen falschen Vornamen in wörtlicher Rede in den Mund legt, oder wie Bild den „Wilhelm“ fett auf der Titelseite druckt. 🙂

Wirklich bemerkenswert an der Geschichte finde ich, wie der falsche Name in den Medien wiederum den falschen Namen in der Wikipedia belegt:

Doch der falsche Vorname verschwand nur kurzzeitig aus der Online-Enzyklopädie. Denn der Einzelnachweis war schnell gefunden: Schließlich konnte man ja bei „Spiegel Online“ nachlesen, dass sich der Minister selbst so nennt.

Mehrere verschiedene Quellen belegen also ihre Falschaussage, indem sie sich gegenseitig zitieren. Eigentlich Alltag im Journalismus: meine Glaubwürdigkeit hängt direkt ab von den Glaubwürdigkeiten der von mir zitierten Quellen.

Das sollte mal formal untersucht werden. Kann man alle Glaubwürdigkeiten berechnen? Gibt es einen Fixpunkt? Kann man einen Algorithmus wie Googles PageRank dafür verwenden? Dann könnte man auch mal das Entstehen von Falschmeldungen simulieren…

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2 Gedanken zu „Journalisten-PageRank

  1. Coole Geschichte.

    Das zeigt doch mal wieder wie schlimm das Internet mit diesen ganzen Amateuren und Bloggern ist. Die schreiben ja immer alles ungefiltert ab. Sowas würde bei professionellen Qualitätsjournalisten mit tollen Redakteuren nie passieren. :))

  2. Sometimes, when I’m not sure of a word or a person’s name – I’ll either use google’s suggest feature or I will compare how many results each individual search returns and the one with the most is usually the winner. For example, if you have a word like „their“ or „thier“, and you’re not sure how it’s spelled you can see that there are more results for „their“ 2.16 million vs. 2.15 million.

    I think it’s becoming more popular for people to trust what they are reading – however, there’s still a need to identify the absolute truth behind it all. If wikipedia is only 80% accurate it’s still doing a fantastic job spreading information.

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