Inform

Zugegeben, die große Ära der Textadventures ist spätestens seit Ende der 80er zu Ende gegangen. Doch eine recht überschaubare Community schreibt weiterhin erstklassige Textadventures, und verleiht z.B. regelmäßig verschiedene Auszeichnungen. Das Genre ist einfach aus demselben Grund nicht ausgestorben, aus dem es neben Kino und Fernsehen immer noch Bücher gibt.

Es ist allerdings nicht so leicht, Textadventures oder „interactive Fiction“ zu schreiben. Zum einen sollte man dazu natürlich schriftstellerisch begabt sein, man sollte den Spieler rein textuell in eine eigene Welt versetzen können, und ausgefeilte Handlungsstränge und Puzzles erfinden können. Auf der anderen Seite steht das Interaktive. Der Spieler sollte einen möglichst großen Handspielraum bekommen. Damit der Parser die eingegebenen Sätze „versteht“, müssen die Welt und die Aktionen detailliert modelliert werden. Das ist eine eher technische Aufgabe, die dem Programmieren ähnelt.

Die vermutlich meistbenutzte Programmiersprache/-umgebung für Textadventures ist Inform. Es unterstützt das Erstellen der Welt durch Bibliotheken, die viele Standardaktionen und -konzepte schon enthalten. Ziemlich cool ist auch, dass die damit erstellten Spiele in das plattformunabhängige Z-Code-Format übersetzt werden können — das gleiche Format, in dem auch die meisten „großen“ Adventures der 80er wie Zork ausgeliefert wurden.

Trotzdem bleibt das große Problem, dass die Spiele mehr oder weniger „programmiert“ werden, was eher schriftstellerisch eingestellte Autoren in der Regel abschrecken dürfte.

Bis jetzt. Denn seit etwa einem Jahr gibt es Inform 7, und damit soll es möglich sein, die Spiele in mehr oder weniger natürlichsprachigen, englischen Sätzen deklarativ zu formulieren. Natürlich ist diese Sprache in Wirklichkeit ein stark beschränktes, domänenspezifisches Englisch, aber dennoch ist bereits der Ansatz bemerkenswert. Ein Beispiel für ein solches Spiel:

  • Martha is a woman in the Vineyard.
  • The cask is either customs sealed, liable to tax or stolen goods.
  • The prevailing wind is a direction that varies.
  • The Old Ice House overlooks the Garden.
  • A container is bursting if the total weight of things in it is greater than its breaking strain.

Das Ganze ist auch noch in eine sehr ansprechende Entwicklungsumgebung verpackt, die um jeden Preis versucht, eher nach Layoutprogramm als nach Programmierertool auszusehen. Sehr schick.

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